Sarkozy als Präsident von Frankreich – Zwei Wochen danach

Rede Sarkozys zur gewonnen Wahl am 6.Mai

Noch in der Wahlnacht hielt er eine beeindruckende Rede die wir hier im Detail übersetzt haben:

<<Meine treuen Kompatrioten (Mitbürger)

Ich wende mich in einem Moment an Sie, der, wie jeder verstehen wird: etwas ganz besonderes im Leben eines Menschen ist. Ich spüre eine starke Emotion, ein starkes Gefühl. Seit meiner Kindheit trage ich mit mir den Stolz zu einer grossen, alten und wunderschönen Nation zu gehören – zu Frankreich. Ich liebe Frankreich, ich liebe Frankreich wie man etwas liebt das man sehr schätzt, das einem alles gegeben hat. Jetzt ist es meine Aufgabe Frankreich das zurückzugeben, was Frankreich mir gegeben hat.

Heute Abend sind meine Gedanken bei den Millionen von Franzosen welche mir ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Ich möchte Ihnen sagen, dass sie mir die allergrösste Ehre zukommen lassen haben, d.h. mich würdig zu schätzen die Zukunft Frankreichs zu leiten. Meine Gedanken sind bei all jenen welche mich während dieser (Wahl)Kampagne begleitet haben. Ich will Ihnen meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, ich will es meiner Familie sagen, meinen Freunden, meinen Anhängern, ich möchte es allen sagen die mich unterstützt haben.

Aber meine Gedanken sind auch bei Mme Royal. Ich möchte ihr sagen, dass ich Respekt für sie und ihre Ideen habe, in denen sich so viele Franzosen wiedergefunden haben. Mme Royal zu respektieren heisst, die Millionen von Franzosen zu respektieren welche für sie gestimmt haben. Ein Präsident Frankreichs muss alle Franzosen lieben ganz egal welche Meinung sie vertreten.

Meine Gedanken sind also auch bei all jenen Franzosen die nicht für mich gestimmt haben. Ich möchte Ihnen sagen das unabhängig vom politischen Wettkampf, unabhängig von politischen Meinungen – es gibt für mich nur ein Frankreich. Ich möchten ihnen sagen das ich der Präsident aller Franzosen bin, das ich für jeden einzelnen unter ihnen sprechen werde. Ich möchte Ihnen sagen das heute abend nicht ein Frankreich gegen ein anderes gewonnen hat. Es gibt für mich heute Abend nur einen einzigen Sieg – den Sieg der Demokratie, den der Werte die uns verbinden, der Ideale die uns zusammenführen.

Meine Priorität wird es sein, alles zu tun, damit alle Franzosen immer Lust haben, sich zu unterhalten, sich zu verstehen, zusammenzuarbeiten. Das franzöische Volk hat seinen Willen kundgetan. Es hat einen Bruch mit den Ideen, den Gewohnheiten und dem Verhalten der Vergangenheit gewählt. Ich werde deshalb die Werte der Arbeit, der Autorität, der Moral, des Respekts, des Verdienstes wieder rehabilitieren/herstellen. Ich werde den Stolz auf die Nation und die nationale Identität zurückbringen. Ich werden den Franzosen den Stolz Frankreichs wieder zurückgeben. Ich werde Schluss machen mit der Reue die eine Form des Selbshasses darstellt und der Konkurenz der Erinnerungen die den Hass der anderen schüren.

Das französische Volk hat den Wechsel gewählt. Diesen Wechsel werde ich durchsetzen, denn dies ist das Mandat welches ich erhalten habe und Frankreich hat dies nötig. Aber ich werde es mit allen Franzosen umsetzen. Ich werde es im Geiste der Einheit und Brüderlichkeit machen. Ich werde dies tun, ohne das sich jemand ausgeschlossen oder im Abseits gelassen fühlt. Ich werde es mit dem Willen umsetzen, das jeder seinen Platz in unserer Republik finden kann, das sich jeder wiederfindet, respektiert in seiner Würde als Citoyen(Bürger) und in seiner Würde als Mensch. All jene die das Leben gebrochen hat, all jene die das Leben ausgelaugt hat sollen wissen, dass sie nicht alleine gelassen werden, dass ihnen geholfen wird, dass sie unterstützt werden. All jene welche das Gefühl haben egal was sie tun sie schaffen es nicht sollen sicher sein, nicht alleine gelassen zu werden und das sie die gleichen Chancen haben werden wie alle anderen.

Ich rufe alle Franzosen unabhängig ihrer Partei, ihrer überzeugungen, ihrer Herkunft dazu auf, sich mir anzuschliessen, damit sich Frankreich in Bewegung setzt.

Ich rufe jeden dazu auf sich nicht in der Intoleranz und im Sektirertum zu verschliessen, sondern sich den anderen zu öffnen, denen welche andere Ideen haben, andere überzeugungen.

Ich möchte einen Aufruf an unsere Europäischen Partner senden, mit denen unsere Schicksal eng verbunden ist, um ihnen zu sagen, das ich mein ganzes Leben lang Europäer war, ich glaube an die ernsthaft an die Konstruktion Europas und heute Abend ist Frankreich zurück in Europa. Aber ich beschwöre sie die Stimmen der Völker zu hören, welche beschützt werden wollen. Sie sollen nicht stumm bleiben bei der Wut der Völker welche die Europäische Union nicht wie einen Schutz empfinden sonder wie ein Trojanisches Pferd welches alle Bedrohungen und alle Veränderungen der Welt in sich trägt.

Ich möchte einen Aufruf an unsere amerikanischen Freunde senden, um Ihnen zu sagen dass sie auf unsere Freudschaft zählen können welche verschmolzen ist mit den Tragödien der Geschichte die wir zusammen gemeistert haben. Ich möchte ihnen sagen, das Frankreich immer an ihrer Seite seien wird wenn sie uns brauchen. Aber ich möchten ihnen auch sagen das Freundschaft auch heist zu akzeptieren das Freunde anderer Meinung seien können und das eine grosse Nation wie die Vereinigten Staaten die Pflicht hat sich nicht dem Kampf gegen den Klimawandel in den Weg zu stellen, sondern im Gegenteil die Führung zu übernehmen, den was auf dem Spiel steht ist die Zukunft der ganzen Menschheit. Frankreich wird diesen Kampf zu seinem ersten Kampf machen.

Ich möchte einen Aufruf senden an die Völker des Mittelmeerraums um Ihnen zu sagen das es der Mittelmeerraum ist wo sich alles entscheidet, das wir allen Hass überwinden müssen um Platz zu machen für den grossen Traum von Frieden und von Zivilisation. Ich möchte ihnen sagen das die Zeit gekommen ist um gemeinsam eine Union des Mittelmeerraumes zu schaffen welche die Verbindung zwischen Europa und Afrika schaffen wird. Das was vor 60 Jahren für die Europäische Union gemacht wurde werden wird jetzt für die Mittelmeergemeinschaft tun.

Ich möchte einen brüderlichen Aufruf an alle Afrikaner senden, um ihnen zu sagen das wir ihnen helfen möchten um die Krankheiten, den Hunger und die Armut zu bekämpfen um gemeinsam in Frieden zu leben. Ich möchte ihnen sagen das wir gemeinsam eine kontrollierte Immigrationspolitik und eine ehrgeizige Entwicklungspolitik beschliessen werden.

Ich möchte einen Aufruf senden an all jene in der Welt welche an die Werte der Toleranz, der Freiheit, der Demokratie und des Humanismus glauben, an all jene die von Dikturen und Tyranien verfolgt werden, an alle misshandelten Kinder und Frauen der Welt um ihnen zu sagen das Frankreich an ihrer Seite sein wird, dass sie mit Frankreich rechnen können. Frankreich wird an der seiten der libyschen Krankenschwestern sein, eingesperrt sein 8 Jahren, Frankreich wird Ingrid Betancourt nicht vergessen, Frankreich wird nicht die Frauen verlassen die gezwungen werden die Burka zu tragen. Frankreich wird die Frauen die keine Freiheit haben nicht vergessen. Frankreich wird an der Seite der Unterdrückten der Welt sein. Das ist die Nachricht Frankreichs, die Geschichte Frankreichs und die Identität Frankreichs.

Meine teuren Mitbürger, wir werden zusammen eine neue Seite unserer Geschichte schreiben. Ich bin sicher das sie grossartig und wunderschön sein wird und aus der Tief meines Herzes sage ich Ihnen:

Es lebe die Republik!

Es lebe Frankreich!>>


Der Dämpfer kam sofort darauf. Denn sein erster Akt ein Essen in einem Pariser Luxusrestaurant, gefolgt von der übernachtung mit seiner ganzen Familien in einem der teuersten 5 Sterne Hotels Paris und anschliessend eine Luxusschiffsfahrt auf der Yacht eines befreundeten Miliardärs. Angeblich hatte dies nichts mit der Wahl Sarkozy’s zu tun, der Miliardär bestätigte nie irgendwelche Regierungsaufträge bekommen zu haben, was laut einigen Zeitungen so auch nicht ganz stimmen soll. So oder so, Luxus pur vs. Aufruf an alle Armen Frankreichs sich anzustrengen – ist dies glaubwürdig?

Mittlerweile wurde auch bekannt, wen Sarkozy als erstes nach seinem Wahlsieg anrief : seinen italienischen Freund Silvio Berlusconi. Enttäuschend, ist doch Berlusconi nicht gerade für seinen Einsatz für Demokratie und Toleranz bekannt. Sondern konnte nur durch Eilgesetzte seiner damaligen Regierungsmehrheit verhindern, von der Justiz belangt zu werden.

Was bleibt also von den Worten die der neue Präsident Frankreichs am Wahlabend in die Menge warf? Nun er hatte versprochen in sein Kabinett auch Kandidaten der Mitte und der Linken aufzunehmen. Dies ist in geringen Umfang geschehen. Lobenswert auch, das mit dem Einzug der neuen Justizministerin – Rachida Dati – erstmalig in Frankreich eine Französin maghrebinischer Abstammung einen hohen Posten im politischen Systems Frankreichs bekleidet – das hat Frankreichs Linke noch nie geschafft!

Was wirklich von den Ambitionen Sarkozy übrigbleibt wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, hoffen wir das Beste, Frankreich könnte es gebrauchen. Die wirtschaftliche Situation ist nicht berauschend und die Französischen Gehälter sind vielerorts an der unteren Grenze. Nicht zu vergessen die ausgeschlossenen der Vororte, Rassismus bei Einstellungen und vielen anderen grossen Problemen Frankreichs. Nicolas Sarkozy wird sich an seinen Worten messen lassen müssen

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