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Filmkritik: It’s a free world – Ken Loach

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Filmkritik:  It’s a free world – Ken Loach

Wir schreiben das Jahr 2008, man könnte meinen, seit 1900 sind mehr als 100 Jahre vergangen, doch wenn man sich mit dem Thema Ausbeutung von Menschen beschäftigt, wie es Ken Loach in seinem neuen Film “It’s a free world” (Das ist eine freie Welt) macht, merkt man eher, das sich nicht viel seit dem geändert hat. Er zeigt das Elend in unseren Vorstädten, die wenigen Gewinner und vielen Verlierer unser so “freien Welt”…

Wir leben in einer Freien Welt

Vor gut 100 Jahren schrieb Upton Sinclair ein weltbekanntes Buch “Der Dschungel”. Er brachte das grausige Schicksal von tausenden von Immigranten in den USA zu Papier. Mit vielen falschen Versprechungen wurden sie aus Russland, der Ukraine, aus Polen angeworben um zu tausenden in den Schlachthof-Industrien Chicagos zu Grunde zu gehen.

Man könnte meinen, wir haben von den zu Tode ausgebeuteten und zerbrochenen Arbeitern und ihren Familien gelernt, dass solch ein Unrecht sich nicht wiederholen darf. Ken Loach zeigt, dass wir nichts gelernt haben, das selbe Schicksal auch heute noch tausende von Menschen aus ärmeren Ländern trifft.

Die Hauptdarstellerin arbeitet in einem Rekrutierungsbüro, in Polen, der Ukraine und rekrutiert billige Arbeitskräfte. Arme Menschen, welche in der Hoffnung auf ein besseres Leben bereit sind ihre Ersparnisse für einen Job in Europa (hier England) aufzuopfern. Sie zahlen 250 – 400 Euro an das Vermittlungsbüro und erhalten im Ausgleich gefährliche, schlechtbezahlte, manchmal gar nicht bezahlte Arbeit. Manche Rekrutierungsbüro brachten sie noch legal ins Land, aber längst ist man dazu umgestiegen sie illegal mit Touristen- oder Studentenvisa ins Land zu holen, so “gewinnt” man noch mehr an ihnen bei der Einreise und kann ihnen hinter noch weniger Lohn zahlen und Ihnen Wohnwagen oder schlechte Wohnungen zu horrenden Preisen aufzwingen.

Auch hier lassen sich wieder Parallelen zu Upton Sinclair ziehen. Die grossen Bosse in Chicago brauchten damals immer neue Arbeitskräfte aus dem Ausland. Warum? Weil man so Löhne drücken kann – es findet sich schon jemand der für den miesen Lohn arbeiten wird, arbeiten muss. So konnten die Big Bosse jeden Versuch der Arbeiter sich zu organisieren, mittels Gewerkschaften für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen zu nichte machen. Es gab genug Frischfleisch, genug die noch für einen noch geringeren Lohn arbeiten. Ganz wie heute, willkommen in der Vergangenheit.

Die Hauptdarstellerin wird entlassen und beschliesst aus ihrer Not heraus (Alleinerziehende Mutter, 33 Jahre alt, ständige Gelegenheitsjobs etc) eine eigene Arbeitsvermittlung aufzumachen. Ken Loach zeigt auf, wie schnell man sowohl Ausbeuter als auch Ausgebeutete sein kann. Er lässt die Hauptdarstellerin auf dem schmalen Grad zwischen Mitleid und knallharter Geschäftsfrau wandeln. Sind wir selber anders? Macht der Neoliberalismus nicht auch uns zugleich Ausgebeute (prekäre Jobs, 1- Euro Jobs, Hungerlöhne, kein oder nicht bezahlter Mindestlohn) und Profiteure der Ausbeutung Anderer (Billige Produkte aus “Sklaverei-ähnlichen”-Sonderwirtschaftszonen am anderen Ende der Welt, Ausnutzung von Immigranten zu schlechtbezahlten und/oder gefährlichen Jobs)?

Zuerst will sie nur legale Immigranten beschäftigen, aber als sie erfährt, das selbst Top-Vermittler von Hunderten von Illegalen nur einen Verwarnungsbrief erhalten, sieht sie hier neue “Wachstumsmöglichkeiten” für Ihre Agentur.

Das Gewissen erreicht sie, als sie eine iranische “sogenannte illegale”- Flüchtlingsfamilie trifft, und ihnen aus Mitleid hilft. Als Buchhändler wegen der Veröffentlichung der “falschen” Bücher und der Unterstützung des demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mossadegh, welcher 1953 durch die CIA gestürtzt und durch den Diktator (Schah) ersetzt wurde, verhaftet. Nun, unter dem neuen Regime wieder wegen der Veröffentlichung der “falschen Bücher” eingesperrt, beschliesst die Familie aus dem Iran zu flüchten. Angekommen in England wird lapidar festgestellt – Asyl abgelehnt. Die Familie hatte also nun die “Freie Entscheidung” – “illegal in England” oder “in iranischen Gefängnissen zu grunde zu gehen.

Ken Loach – neuester Film

Hier unterstreicht Ken Loach einen weiteren Irrsinn unserer Zeit: Es sind Buchhändler, Ärzte, Krankenschwester – gut ausgebildete Fachkräfte aus ärmeren Ländern, welche in unseren Fabriken für einen erbärmlichen Hungerlohn monotone oder gefährliche Arbeit vollbringen.

Er spricht auch die klägliche Situation in vielen unserer Familien an, die alleinerziehende Mutter arbeitet von früh bis spät, hat gar keine Zeit für ihren 11 jährigen Sohn. Und wenn sie mal einen Abend gemeinsam verbringen, wird sich nicht unterhalten, sonder man ist Pizza und schaut Gewaltfilme. Zur gleichen Zeit, sieht man die Geschundenen, Ausgebeuteten in Wohnwagen vor den Städten Englands wohnen. Verelendung und Dritte-Welt-Feeling in unseren Vorstädten.

Ken Loachs Film geht unter die Haut, öffnet uns die Augen, berührt uns – ist daher mehr als nur empfehlenswert!

Jetzt im Kino! – Wie lange wollen wir noch zuschauen ?

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